Sonntag, 11. März 2012

Die Sixtinische Madonna - Raffaels Kultbild wird 500

Sonderausstellung in der Gemäldegalerie Alte Meister im Semperbau am Zwinger
Semperbau am Zwinger
26. Mai - 26. August 2012
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, Do und Sa bis 21 Uhr
Eintrittspreise: Eintritt € 10, ermäßigt € 7,50

Wer kennt nicht die zwei Engelchen mit ihren zerstausten Haaren, die ganz gelangweilt auf der Balustrade im unteren Bildrand lümmeln?
Im Jahre 1512 erhielt der Malerfürst der Renaissance, Raffaello Santi in Rom vom damaligen Papst Julius II. den Auftrag für eine Kapelle des Benedikterklosters San Sisto in der norditalienischen Stadt Piacenza ein Madonnenbild zu malen.

Dieses Ereignis jährt sich zum 500. male und so feiert die Gemäldegalerie Alte Meister den 500. Geburtstag der Sixtina mit einer spektakulären Jubiläumsausstellung, die den Weg des Gemäldes von ihrer Entstehung bis in Gegenwart verfolgt.
Gegliedert ist die Ausstellung in vier Themenbereiche:
1. Raffael in Rom
Dieser Ausstellungsteil ist dem Auftraggeber Papst Julius II. r sowie der „Sixtinischen Madonna“ im Kontext der römischen Arbeiten Raffaels und weiterer Künstler der Renaissance gewidmet. Bedeutende Werke Raffaels und anderer herausragender Renaissancemaler werden als Leihgaben aus internationalen Museen zu sehen sein, wie die „Garvagh Madonna“ (um 1509/10) aus der Londoner National Gallery, ein Fragment eines Engels (um 1512) aus der Pinacoteca Vaticana, die Zeichnung „Maria in der Mandorla mit Aposteln und dem knienden Papst Sixtus IV.“ aus der Albertina in Wien sowie eine Madonna von Filippino Lippi (um 1475) aus dem Szépmüvészeti Museum in Budapest.

2. „Platz für den großen Raffael!“
Der 2. Ausstellungskomplex beleuchte den spektakulären Ankauf der „Sixtinischen Madonna“ durch August III., dem Sohn von August dem Starken. In Piacenza blieb die „Sixtinische Madonna“ vorher so gut wie unbekannt. Erst durch ihren spektakulären Ankauf in den Jahren 1752/54 für die Gemäldegalerie in Dresden trat sie in die Öffentlichkeit.
Der preußische Maler Adolph Menzel hielt den Einzug dieses Gemäldes in Dresden in seinem Pastell „Platz für den großen Raffael!“ (1855/59), einen legendären Ausspruch Augusts III. fest. Weiterhin werden bislang zum Teil noch nie ausgestellte Dokumente aus dem Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden, der Biblioteca Passerini-Landi und dem Archivio Gulieri in Piacenza zu sehen sein.

3. Auf dem Weg zum Mythos
Erst um 1800 begann die rezeptionsgeschichtliche Auseinandersetzung mit dem Werk in Literatur, Kunsthandwerk, Fotografie und Musik. Die Sixtina wurde zu dieser Zeit oft kopiert und reproduziert, wie Friedrich Burys Gemälde „Kurprinzessin Auguste die Sixtinische Madonna kopierend“ (um 1808/09) aus dem Museum Schloss Wilhelmshöhe in Kassel zeigt.
Das Gemälde wurde zum beliebten Motiv und fand sich in Zeitschriften, Stickbildern, Werbung, Karikaturen und Poesiealben wieder, denn es entsprach der Mode des Bürgertums in der Biedermeierzeit im Deutschen Kaiserreich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Kunstwerk nach Russland als Beutekunst abtransportiert. 1955 kehrte die Sixtina nach Dresden zurück. Dieses Ereignis wird in dem Gemälde von Mikhail Kornetsky „Die Rettung der Madonna“ (1984/85) aus dem Latvian National Museum of Art in Riga zu sehen sein.

4. Eine internationale Karriere: Die Engelchen in Kitsch und Kunst
Inzwischen haben sich die beiden Engelchen vom unteren Bildrand verselbständigt und sind als eigenständiges Bildmotiv auf Regenschirmen, Keksdosen, Schokoladen, Schulheften wiederzufinden. In diesem letzten Ausstellungskomplex werden dazu Beispiele aus dem frühen 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart gezeigt.

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